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Dr. Ingrid Koch
Heinz Weißflog
Heinz Weißflog
Sybille Nütt
 

Grüne Wolke - Blaues Band

Die Malerin Christiane Latendorf und der Maler Michael Schwill sind seit vielen Jahren befreundet und leben zusammen. Künstlerisch gingen beide, so scheint es jedenfalls, eigene Wege. Nun kann man in dieser Ausstellung die Künste der beiden bewundern, die auf engem Raum ein erstaunlich dichtes, spannungsreich-harmonisches Bild ergeben. Filigran und mit Hintersinn sind die Scherenschnitte von Christiane Latendorf, kompakt und beinahe hermetisch leuchten die Ölbilder von Michael Schwill - das ist der erste Eindruck, der sich einem darbietet.
 
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Michael Schwill betreibt Malerei wie Alchemie. Die ist das Elixier, mit dem er Metaphern setzt. Ein Schwarz, sagt er braucht eine andere Farbe, die neben ihr steht. Uns so ist es auch mit den anderen Farben. Schwill setzt sie nach seiner Vorstellung, die aus ihm wachsen muss und die vor allem immer mit ihm selbst zu tun hat. Anschauung und Erinnerung gehen im Malprozess zusammen. Das Gegenständliche ist Ausgangspunkt und Anfang für alles, was danach kommt. So war es auch bei dem Ölbild "Josephina". Als sich die Erinnerung an den konkreten Menschen einstellt, kam auch die Überraschung, ein offenbares Gefühl, das ihm riet, wie man das Bild machen muss. Stimmungen fließen in Schwills Bilder ein, aber beim Malen entsteht ein sonderbarer Energieaustausch, Kraft, die er am Anfang auf das Malen verwendet, wird von den Farben zurückgeworfen und treibt den Maler zu Weitermachen an. Dieser lebendige Akt des Malens, die bewebende Hand, die den ganzen Körper anspannt, wirft sich auf sich selbst zurück, spendet plötzlich Lust und inneren Gewinn.
  Wer die Bilder aufmerksam betrachtet, sucht unwillkürlich nach Erkennbarem, nach Figuren und Gegenständen, aber eben diese Gegenständlichkeit entzieht sich immer wieder. Man spürt das Figürliche in allen Bildern Schwills, aber es zeigt sich nicht direkt. Und das ist in Ordnung. Eben, dass sich jeder fragt, wo denn eigentlich das Konkrete sei, was man erklären kann und sich vorzustellen versucht, darin offenbart sich der Sinn von Schwills Malerei. Schon in Franz Fühmanns Essay über Georg Trakl, wo es um die Erklärung und Deutung von Trakls Gedichten geht, schreibt dieser, dass die Deutung vor allem Sache des Lesers ist. Das Dunkle, das Rätselhafte, das auch in den Bildern Schwills lauert, dieses Dunkle ist die Faszination guter, moderner Dichtung wie Malerei, die es erlaubt, allein in der Betrachtung ihren Sinn zu finden. Michael Schwills Bilder leuchten wie große Käfer und funkeln aus dem Dunklen hervor, kreisen immer wieder um ein Zentrum, das sich selbst genügt wie eine stille, in sich ruhende Versunkenheit. Vor allem aber sind diese Bilder dem Träume verwandt aus dem sie geboren, jenem Unwillkürlichem in uns, das der Motor für die Fantasie, Fixpunkt unserer Sehnsucht nach Erfüllung istů
 
Heinz Weißflog, 18. Februar 2006
 
Rede zur Ausstellungseröffnung
"Güne Wolke - Blaues Band"
Christiane Latendorf und Michael Schwill
im Einnehmerhaus Freital.